zurück zu Start zurück zu Start zurück zu 2014 zurück zu 2014
Heute ist der letzte Tag meiner Tour ... und die Geschichte ist eigentlich recht  schnell erzählt - eigentlich. Aber dazu ein wenig später. Der Plan war, über möglichst viele Pässe nach Osten bis zur österr./ital. Grenze zu  fahren und dann die letzten ca. 200 km auf der Autobahn abzuspulen. Die Pässe, die ich gestern Abend noch geplant hatte waren: - Passo della Presolana - Passo del Vivione - Passo del Tonale - Mendelpass - Grödner Joch - Passo Valparola - Passo di Falzarego - Passo Tre Croci - Cima Sappada - Sella Valcalda - Forcella di Lius - Passo del Cason di Lanza/Lanzenpass - Passo Polentin/Straniger Alm Nachdem dies, wie oben zu sehen ist, ein relativ langer Hatscher (wie man in  Österreich zu sagen pflegt) ist fuhr ich diesmal schon um 7 Uhr weg.  Dementsprechend frisch war es dann noch am Passo della Presolana. Und auch die  Sonne war noch nicht über die Bergspitzen gestiegen. Beides änderte sich aber  bald. Da ich heute ohne zu frühstücken los gefahren war blieb ich nach rund zwei  Stunden Fahrzeit zwischen Passo del Vivione und Passo del Tonale an einer  Tankstelle mit einer Bar stehen. Meiner KTM spendierte ich einen vollen Tank, und  mir zwei Cornetto und zwei Cappuccini. Nach ca. 20 Minuten Pause ging es dann  wieder weiter. Gegen 15.45 Uhr erreichte ich dann mit dem Scheitel des Passo Polentin/Straninger  Alm die ital./österr. Grenze. In Hermagor machte ich wieder (Tank)Pause ... und während ich so meinen  Eiscappuccino trank bemerkte ich, dass das Hinterrad ein wenig wenig Luft hatte.  Ich nahm so ein Druckluftnachfüllgerät und pumpte den Reifen wieder auf rund 2,8  bar auf. Weiter ging es über den Kreuzbergsattel. Ich dachte über die Sache in  Hermagor bei der Tankstelle gar nicht weiter nach ... doch kurz nach der Passhöhe  eierte meine KTM unangenehm durch die Kurven. Gott sei Dank war da gleich so  etwas wie ein Parkplatz ... und ein Blick auf den Hinterreifen bewahrheitete meine  Befürchtung ... ich hatte einen Patschen. Aber, wie oft ich das Rad auch drehte, ich konnte keinen Fremdkörper entdecken. Für solche Fälle hatte ich ja nicht nur einen Reserveschlauch mit, sondern auch  einen kleinen 12 V-Kompressor um diesen Reserveschlauch auch mit Luft befüllen zu können. Jetzt pumpte ich halt den Reifen so auf und hoffte mich dadurch in die  nächste Ortschaft bzw. zur nächsten Tankstelle schleppen zu können. Die Ortschaft  Greifenburg war ja nicht so weit weg, und am Ortseingang war sogar eine  Tankstelle. Gleich daneben war sogar eine Werkstätte eines Lagerhauses ... aber an einem Freitag um 5 Minuten vor 18 Uhr ist da in Österreich niemand mehr  anwesend. also fragte ich in der Tankstelle ob sie jemanden wüssten, der mir helfen könnte - ein Anruf beim ÖAMTC war die letzte Option, die ich noch nicht in  Anspruch nehmen wollte. Und tatsächlich jemand wusste und kannte in Greifenburg den Seniorchef einer  Autowerkstätte und erklärte mir den weg dorthin. Ich pumpte den Reifen wieder  auf rund 4 bar auf und fuhr zu besagter Kfz-Werkstätte. Der Seniorchef war auch tatsächlich zu Hause und half mir ... er konnte aber mit  der “modernen” Reifenmontiermaschine nicht umgehen, und so machten wir die  Reifendemontage altmodisch mit langen Reifenmontierhebeln. Seither hat meine  Felge ein paar unschöne Kratzer - aber es gibt schlimmeres. Als der Reifen  demontiert und der Schlauch abgenommen war entdeckten wir, dass das Felgenband gerissen war. Und entweder hat sich eine der Risskanten oder ein Speichenkopf  durch den Schlauch gearbeitet und ihn perforiert. Ein Reservefelgenband hatte ich  natürlich nicht mit ... mir war sowas auch noch nie passiert. Wir behalfen uns, dass wir das Felgenband wieder so gut wie möglich in Form  brachten und es dann mit mehreren Wicklungen Isolierband fixierten. Dann den  Reserveschlauch in den Reifen stopfen, den Reifen wieder mit den Montierhebeln  auf die Felge aufziehen und das Rad wieder einbauen. Klingt einfach, aber alles  zusammen dauerte eine gute Stunde. Und so war es bereits 19.15 Uhr als ich ich  wieder auf den Weg machen konnte. Mein Zeitplan war schon völlig über den  Haufen geworfen. Jetzt sollte es ohne Schnörkel auf dem schnellsten Weg nach  Hause gehen ... so ganz vertraute ich der Sache mit dem Isolierband nicht. Aber  vorerst schien es zu halten. Bis zur Autobahn fuhr ich meine KTM gaaaaanz sachte. Nur ja keine heftigen  Beschleunigungen oder Bremsungen. Und auf der Autobahn versuchte ich recht  konstant so um die 110 km/h zu fahren. Als ich bei Bischofshofen vorbei war, glaubte ich ich schon in Sicherheit und so gut  wie zu Hause ... aber da ... kurz vor den letzten Tunneln auf der A10 - auf Höhe  Ortschaft Werfen ... wieder dieses eierige Gefühl. Sofort die Geschwindigkeit  reduziert und rechts auf den Pannenstreifen und ausgerollt bzw. mit ganz geringer  Geschwindigkeit in eine Bucht für die Straßenmeisterei gerollt. Natürlich hatte ich  wieder einen Patschen. Das Smartphone gezückt und meine liebe Frau angerufen, die schon gemütlich zu  Hause auf der Couch lag, und sie gebeten, sie möge mich doch bitte mit unserem  Bus abholen. Ich habe ihr noch genau beschrieben wo ich stehe und bei welcher  Abfahrt Richtung Süden sie abfahren muss um dann wieder Richtung Norden  aufzufahren, damit sie bei mir vorbei kommt. Und dann warten ... da erinnerte ich  mich daran, dass ich im Gepäck noch eine Bierdose hatte. Die war zwar jetzt  bacherlwarm - aber besser ein warmes Bier als gar kein Bier ... Nebenbei gab ich schon mal mein gesamtes Gepäck vom Motorrad herunter, damit  das dann später mit dem Verladen in den Bus schneller ging. Die Sache mit dem Abholen hat tadellos funktioniert ... und so kam ich Dank  Verenas Hilfe so gegen 23 Uhr doch gut und wohlbehalten noch zu Hause an.
Tagestour (634 km)
Höhenprofil
Schlachtfeld Straße Auffahrt zum Passo Polentin auf der ital. Seite Am nächsten Morgen bei Tageslicht.