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Die Nacht war recht angenehm. Und wie immer, wenn ich im Zelt schlafe, wache  ich recht bald auf. Nicht nur, weil mir mein Gestell beginnt zu schmerzen, auch weil die Natur ihr Recht fordert ;-) Also stehe ich auf, mache meine Morgentoilette und bereite mir mein Frühstück.  Mein Zeltnachbar, der andere Motorradfahrer scheint immer noch fest zu schlafen  nachdem ich meine Espressokanne und meine Kaffeetasse schon abgewaschen habe. Dann mache ich mein Motorrad fertig,   verzichte aber darauf sie ein paar  Minuten im Stand warmlaufen zu lassen.  Bei meinen Hondas mache ich ja sowas  nicht. Aber bei meiner KTM hab ich  irgendwie das Gefühl, dass die ersten  Kilometer besser gehen und die Kupplung sauberer trennt, wenn sie ein paar  Minuten im Stand vor sich hin tuckert. Ich verlasse den Campingplatz und fahre  zuerst einer kleinen Straße der Durance  entlang. Über Saint Andre d’Embrun, Les Celliers,  Crevoux und La Chalp fahre ich auf den  Col du Parpaillon hinauf. Die  Schotterpiste der Westrampe geht  einfach und zu zu fahren. Hier zeigt sich  die KTM von ihrer guten Seite. Nur bei  der Durchfahrt von Wasserrinnen schlägt  mir sowohl die Gabel als auch das  Federbein immer wieder mal durch. Das  ist eine Sache, die ich im Herbst mal mit meinem Fahrwerksspezialisten, dem  Bernhard Haslacher von der Fa. Haslacher Suspension besprechen muss. Nach rund  20 Minuten habe ich den berühmten Parpaillontunnel erreicht. Um diese Jahreszeit muss man immer  noch mit einer vereisten Fahrbahn im  inneren des Tunnels rechnen. Deswegen  beschloss ich, dass ich den Tunnel vor der Befahrung zu Fuss abgehen würde um mir anzusehen, was mich erwarten würde. Im schlimmstenfall müsste ich mich dazu  entscheiden vor dem Tunnel umzudrehen und auf dessen Befahrung zu verzichten. Teilweise knöcheltief watete ich durch  das Schmelzwasser, dass im Inneren des  Tunnels auf der Fahrspur stand, aber Eis  war keines vorhanden ... zumindest auf  den ersten zwei Drittel des Tunnels. Doch dann sah ich im Licht meiner Stirnlampe  doch etwas aus schimmern. Tatsächlich  Eis! Aber es bedeckte Gott sei Dank nicht  die gesamte Breite der Fahrbahn und zog  sich auch nur über eine Länge von ca. 2-3 Metern. Ich prägte mir die Stelle ein und  merkte mir, wo ich zu fahren hätte um  mit den Reifen nicht aufs Eis zu kommen. Ich ging dann noch den Rest der Strecke ab, aber da war sonst keine vereiste Stelle  mehr. Dann kehrte ich um und ging zu meiner KTM zurück. Die Befahrung selbst war dank der vorherigen Erkundung kein Problem und der  Tunnel “spuckte” mich wohlbehalten aus seinem Südostportal aus. Auf der Ostrampe ging es hinunter in das Tal der Ubaye. Die Ostrampe ist ein wenig  ruppiger als die Westrampe, da sie durch eine schroffere Bergwelt führt, stellt aber  trotzdem keine Herausforderung dar und ist letztlich recht einfach zu befahren. Von La Condamine Chatelard aus fuhr ich weiter zu den Forts inferieur/superieur  Roche de la Croix. Die Aussicht von dort auf die umliegenden Bergketten und das zu Füßen liegende Tal ist einfach umwerfend. Das nächste Ziel dass ich mir vorgenommen hatte war der Col de Mallemort. Also  gab ich das Ziel in meinem Zumo 550 ein, auf dem ich eine OSM-Karte sowie die  originale Garminkarte City Navigator EU NT laufen hatte. Die Abfahrt von den Forts schlug mir das Navi über einen anderen Weg vor als jenen, den ich beim rauf Fahren benutzt hatte ... soweit so gut. Dann wies mich das Navi an rechts abzubiegen um  zur Ortschaft Larche zu fahren. In Larche sollte dann ein Weg hinauf zum Col  gehen. Aber als ich dann am Beginn des Anstiegs stand schaute ich nicht schlecht ... das, was mir da das Navigationsgerät anzeigte, war bestenfalls ein Wandersteig,  aber sicher kein Weg, den man mit einem Motorrad fahren konnte. Da konnte ich ja nun wirklich nicht rauf fahren. Also die  Route aus dem Navi rausschmeissen, eine andere Karte aktivieren und das  angepeilte Ziel nochmal eingeben.  Diesmal wurde mir eine ganz andere  Route, nämlich über den Weil St. Ours.  Von dieser Ortschaft hat man auch einen  guten Blick auf das Fort inferieur Roche  de la Croix. Anfangs noch recht einfach begannen  dann bald einmal recht fiese, enge  Kehren, in denen auch noch ein ganz  schöner Höhenunterschied überwunden  wurde. Das war zwar fahrbar, aber doch  auch recht anstrengend. Nach den  Kehren erreichte ich dann ein Hochtal,  mit einem schönen Fahrweg, der recht  einfach aussah. Also wollte ich mich  nach den Kehren ein wenig ausruhen,  stellte mich in die Rasten und hielt den  Lenker ein wenig lockerer und rollte so  mit rund 30-40 km/h dahin ...  TschinnBumm ... auf einmal lag ich das.  Irgendwas hatte mir den Lenker  verschlagen und mich mit meiner KTM zu Sturz gebracht. Wahrscheinlich war es ein Stein, der durch Gras verdeckt war und den ich somit einfach nicht gesehen hatte.  Nachdem ich mir beim Sturz nicht weh getan hatte wurde das Ganze erst mal  fotografisch dokumentiert :-D Ich legte den Helm und meinen Trinkrucksack ab und hob die LC8 auf. Das ging noch leicht, weil es ja das erste Mal an diesem Tag war. Dann klappte ich den  Seitenständer aus und und stellte sie ab. Die 990er   stand recht aufrecht, weil der Seitenständer genau auf der Erhöhung zwischen den zwei Fahrspuren stand.  Aber ich dachte mir nichts dabei und begutachtete  mein Motorrad ob irgendwelche Schäden entstanden  waren. Der Sturzbügel und das Kunststoff Outdoorcase  schienen aber die meiste Energie abgefangen zu  haben. Und wie ich so am Sturzbügel die Erde und das  Gras das sich darin verfangen hatte herauszupfte  merkte ich, wie sich die KTM auf einmal zur rechten  Seite neigte und auf die andere Seite umfiel :-( Von diesem Hoppala machte ich  aber kein Foto sondern hob die KTM das zweite Mal an diesem Tag auf. Ich beschloss eine kurze Pause einzulegen und bemerkte erst jetzt die wunderschöne  Gebirgslandschaft, die mich umgab. Wenige Meter nachdem ich weiter gefahren war konnte ich das erste Mal die Ruinen der Kasernen, die als Unterkunft für die Mannschaft des ehemaligen Gipfelforts Fort de Viraysse dienten sehen. Auch das Fort war bereits gut zu erkennen. Dass das  Gipfelfort für mich unerreichbar bleiben würde, das hatte ich bereits während  meiner Recherchen bei alpenrouten.de herausgefunden. Aber zu diesem Zeitpunkt  war ich noch guter Hoffnung, dass ich zumindest auf den Col de Mallemort würde  fahren können. Als ich die Kasernen erreichte beschloss ich mir und meiner LC8 nocheinmal eine  Pause zu gönnen. Vor allem deswegen, weil die KTM schon seit geraumer Zeit zur  Kühlung den Ventilator laufen hatte und mir im Display auch anzeigte, dass sie  überhitzt war. Und wie ich da so stand beobachtete ich ein Gruppe Enduristen, die  mit leichten, kleinen Einzylinderenduros den Col hinauf gefahren waren. Soweit  kein Problem. Ich winkte ihnen und sie winkten mir zurück. Und dann begannen sie  mit der Abfahrt. Und ich beobachtete mit Überraschung, dass man selbst mit diese  kleinen Motorrädern nicht in der Lage war um die Kehren in einem Zug herum zu  zirkeln. Unter gegenseitiger Hilfe wurden die Motorräder zurückgeschoben um in  einem zweiten Ansatz um die Kurve zu fahren. Daraufhin beschloss ich die  Befahrung des Col mit meiner LC8 zu unterlassen, da es mir mit dem geringen  Lenkeinschlag der KTM sicher nicht möglich gewesen wäre um die Kehren zu fahren, und nachdem ich alleine unterwegs war auch keine Hilfe beim Reversieren gehabt  hätte. Man muss auch verzichten können. ;-) Nachdem die Endurogruppe entschwunden war, machte auch ich mich auf den  Rückweg. Bei einer kleinen Bachdurchfahrt entdeckte ich das Skelett einer Ziege  oder Gemse, das mir bei der Auffahrt entgangen war. Wurde das Tier von einem  Raubtier geschlagen? Oder war es ein Opfer des letzten Winters? Das Hochtal zurück war ja wieder leicht zu fahren ... doch mit den Kehren, die nun  bergab führten begann mein Fiasko. Die KTM hatte ich ja erst letztes Jahr gekauft.  Und diesmal war es das erste Mal, dass ich mit dem Motorrad eine schwierigere  Strecke fuhr.Und da war dann wieder die Sache mit dem geringen Lenkeinschlag.  Beim bergauf Fahren fällt das ja noch nicht so ins Gewicht ... da reicht mein  Fahrkönnen um mit einem leicht driftenden Hinterrad die Vorderradlenkung zu  unterstützen. Aber bergab hab ich da den Dreh nicht raus ... und mit dem geringen  Lenkeinschlag weiß ich dann auch nie, ob sich so eine enge Kehre auch ausgeht. Bei Linkskehren helfe ich mir   da mit der Fußbremse.  Linken Fuß ausstrecken  zum Boden, rechter auf  der Fußbremse zum  Mitbremsen und so geht es  ganz gut um die Kurve  rum. Aber bei  Rechtskehren funktioniert  das bei mir so nicht, weil  ich den rechten Fuß dann  am Boden brauche und so  die Fußbremse nicht  betätigen kann. So benutze ich die Vorderradbremse und dadurch knickt mir die Gabel bei voll eingeschlagenem Vorderrad immer wieder ein. Und nicht immer kann ich da das Motorrad mit dem  Fuß abstützen bzw. halten. Und bei den ca. 13 Rechtskehren ist mir die scheixx 990er mindestens 3 od. 4 Mal  umgefallen. Und mit jedem Mal hoch heben sind meine Kräfte mehr geschwunden.  Wie ich dann endlich wieder in St. Ours war, war ich ziemlich groggy. Meine Arme  und Beine haben vor Anstrengung gezittert ... ich hab mal eine Pause gemacht und  viel Wasser getrunken. Es war inzwischen schon 15.20 Uhr geworden und ich hatte noch einiges am  Programm. Deswegen wandte ich mich Richtung Süden und fuhr an Jausiers vorbei  rauf auf den Col de la Bonette. Kurz vor der Passhöhe geht rechts eine kleine Straße zum Col de la Moutiers weg - die hatte ich im Visier. Auf der Passhöhe des Col de la Moutiers befndet sich ein Bunker, der in den 1930er  Jahren, als Teil der südlichen od. alpinen Maginotlinie gebaut wurde. Die  italienische Grenze ist ja nicht weit entfernt. Ich bog aber kurz vor der Passhöhe nach rechts ab um der Schotterpiste durch das  Vallon de Moutiers zu folgen. Diese Straße bringt einen nach vielen  Schotterkilometern, die teilweise auch ein wenig gröber sind, in die Ortschaft  Bayasse, das direkt an der Nordrame des Col de la Cayolle liegt. In Bayasse fuhr ich die Nordrampe des Col de la Cayolle abwärts und hielt mich in  Richtung Barcelonette. Die Durchfahrt von Barcelonette nutzte ich auch gleich für  einen Tankstopp. Dann folge ich weiter der D902, die mich über den Col de Vars   zurück nach Guillestre bringt. Bei einem “Intermarche” machte ich dann noch  meinen Abendeinkauf und kurz darauf traf ich um 18.25 Uhr am Campingplatz ein.  Ich verbrachte noch einen netten Abend mit meinem Zeltnachbarn und kuschelte  mich dann später doch recht müde in meinen Schlafsack. Der heutige Tag war zwar von der Fahrtstrecke her gesehen nicht recht  umfangreich, aber die körperliche Herausforderung am Col de Mallemort war doch  ganz ordentlich und steckte mir gehörig in den Knochen.
Tagestour (230 km) Höhenprofil Das Nordwestportal des Tunnels Auffahrt zum Fort inferieur Roche de la Croix Fort inferieur Roche de la Croix Ein Teil des Fort superieur Roche de la Croix wird als Ziegenstall bzw. -unterstand verwendet. Vom Fort superieur Roche de la Croix hat man einen schönen Ausblick ... auch hinüber zum Col du Parpaillon. Der Aufstieg zur Tete de Viraysse Diese Steinkreise sind kein ausserirdisches Geheimnis, sondern die Überreste des Zeltlagers der Baumannschaft, welche den Bunker am Col de la Moutiers in den 1930er Jahren errichtet haben. Eine etwas ruppigere Passage.